Chronisches Fatigue-Syndrom (CFS): Wenn Erschöpfung zur Erkrankung wird

Das Chronische Fatigue-Syndrom (CFS) – auch ME/CFS genannt – ist eine schwerwiegende Erkrankung, die häufig im Zusammenhang mit Long-Covid beobachtet wird. Betroffene leiden unter einer ausgeprägten, anhaltenden Erschöpfung, die sich durch Ruhe allein meist nicht vollständig bessert.

Die Erkrankung betrifft nicht nur das Energielevel, sondern kann verschiedene Körpersysteme beeinflussen – darunter das Nervensystem, den Stoffwechsel und die Regulation der körperlichen Belastbarkeit.

In unserer Praxis nehmen wir diese Form der Erschöpfung sehr ernst. Viele Betroffene berichten, dass ihre Beschwerden lange nicht eindeutig eingeordnet werden konnten, weil Standarduntersuchungen häufig unauffällig sind. Klassische Blutuntersuchungen beim Hausarzt decken meist nur grundlegende Parameter ab und werden deshalb häufig als „in Ordnung” bewertet, obwohl weiterhin Beschwerden bestehen.

Unser Ansatz ist es, genauer hinzuschauen: Ziel ist es, mögliche stoffwechselbezogene Einflussfaktoren zu identifizieren, die zur individuellen Symptomatik beitragen können – und darauf aufbauend lösungsorientiert zu arbeiten. Dazu gehören unter anderem erweiterte Blutanalysen, bei denen gezielt Mikronährstoffe, Aminosäuren und Stoffwechselparameter untersucht werden können.

Typische Symptome bei CFS

Das zentrale Merkmal der Erkrankung ist eine extreme körperliche und mentale Erschöpfung. Zusätzlich können folgende Beschwerden auftreten:

  • Post-Exertionelle Malaise (PEM) – eine deutliche Verschlechterung der Symptome nach körperlicher oder geistiger Belastung
  • Schmerzen – beispielsweise Muskel- oder Gelenkschmerzen
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme („Brain Fog”)
  • Schlafstörungen
  • Orthostatische Intoleranz – Beschwerden wie Herzrasen, Schwindel oder Kreislaufprobleme im Sitzen oder Stehen

Viele Betroffene erleben zudem schubweise Verschlechterungen, insbesondere nach Überlastung.

Energiemanagement als wichtigste Grundlage: Pacing

Eine der zentralen Strategien im Umgang mit CFS ist das sogenannte Pacing. Dabei geht es darum, die eigenen Energiegrenzen genau zu kennen und Belastungen so zu steuern, dass sogenannte „Crashs” – also starke Verschlechterungen der Symptome – möglichst vermieden werden.

Wichtige Elemente sind:

  • Bewusst geplante Ruhephasen
  • Anpassung der täglichen Aktivitäten
  • Vermeidung von Überlastung
  • Ein strukturierter Umgang mit Energie im Alltag

Weitere unterstützende Maßnahmen

Neben dem Energiemanagement können verschiedene Ansätze helfen, Symptome zu lindern und den Körper zu unterstützen. Dazu gehören unter anderem:

  • Schlafhygiene zur Verbesserung der Schlafqualität
  • Schmerztherapie bei chronischen Beschwerden
  • Behandlung von Kreislaufproblemen bei orthostatischer Intoleranz
  • Gezielte Unterstützung der zellulären Energieproduktion

Bedeutung der Mitochondrien

Bei CFS wird häufig eine Störung der mitochondrialen Funktion diskutiert. Mitochondrien sind die „Kraftwerke” unserer Zellen und entscheidend für die Energieproduktion im Körper. Daher setzen viele therapeutische Ansätze darauf, die Zellenergie und Stoffwechselprozesse gezielt zu unterstützen.

Ergänzende Nährstofftherapie

Vor allem Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle für die Funktion der Mitochondrien. Dazu gehören beispielsweise:

  • Coenzym Q10
  • Magnesium
  • B-Vitamine
  • Carnitin
  • NAD⁺-Vorstufen wie Nicotinamid-Ribosid

Diese Stoffe sind an der ATP-Produktion (zelluläre Energie) beteiligt und können helfen, oxidativen Stress zu reduzieren.

In unserer Praxis bieten wir erweiterte Blutanalysen an, um mögliche Nährstoffdefizite genauer zu bestimmen. Auf dieser Grundlage kann eine individuelle Supplementierung erfolgen.

Infusionstherapie bei chronischer Erschöpfung

Eine mögliche ergänzende Maßnahme kann eine Mikronährstoff-Infusion sein. Dabei werden bestimmte Nährstoffe intravenös verabreicht, wodurch sie direkt in den Blutkreislauf gelangen und den Verdauungstrakt umgehen. Dies kann besonders dann sinnvoll sein, wenn Nährstoffe über den Darm nicht optimal aufgenommen werden.

Typische Bestandteile solcher Infusionen können sein:

  • Hochdosiertes Vitamin C
  • B-Vitamine
  • Aminosäuren wie L-Carnitin, Taurin oder Arginin
  • N-Acetylcystein (NAC)
  • Glutathion
  • Teilweise auch NAD⁺-Infusionen

Ziel ist es, die Versorgung mit ausgewählten Mikronährstoffen zu verbessern, oxidativen Stress zu reduzieren und die zelluläre Energieproduktion zu fördern.

IHHT als unterstützende Maßnahme

Zusätzlich kann das Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training (IHHT) eingesetzt werden. Diese Methode trainiert die Zellen über wechselnde Sauerstoffbedingungen, ähnlich wie bei Aufenthalten in unterschiedlichen Höhenlagen.

Ziel ist es, Stoffwechselprozesse und die zelluläre Energieversorgung zu unterstützen und Regenerationsprozesse zu fördern.

In vielen Fällen wird empfohlen, vor Beginn eines IHHT eine gezielte Nährstoffversorgung sicherzustellen, um optimale Voraussetzungen für das Training zu schaffen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung, Diagnostik oder Behandlung. Für das Chronische Fatigue-Syndrom existiert derzeit keine ursächliche Standardtherapie. Die beschriebenen Maßnahmen können daher lediglich unterstützend eingesetzt werden und ersetzen keine ärztliche Behandlung.

Bei anhaltender Erschöpfung oder Verdacht auf CFS sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, um individuelle Therapieoptionen zu besprechen.